Vom Schwächsten her denken

18. Juni 2014

20140619_BWMK_Herr Beilstein_Frau LeikertDr. Katja Leikert (CDU) informiert sich im BWMK über Arbeitsangebote für Menschen mit Handicap

Menschen sind vielfältig, sie haben unterschiedliche Neigungen, Eigenschaften und Fähigkeiten. Was nötig ist, damit Menschen mit Behinderung eine sinnvolle Aufgabe finden und passende Unterstützung im Alltag erhalten können, darüber informierte sich die Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert (CDU) nun im Behinderten-Werk Main-Kinzig e.V. (BWMK).

„Wollen Sie mein neues Bild mal sehen?“, fragte Peter Beilstein, der im KunstRaum des Brockenhauses Hanau arbeitet. Stolz erklärte er der Bundestagsabgeordneten die markant gezeichneten Motive auf dem großflächigen Werk. Das Brockenhaus Hanau in der Lamboystraße 52 in Hanau zählt zu den jüngsten Beschäftigungsprojekten des BWMK. Hier arbeiten Menschen mit psychischen und geistigen Beeinträchtigungen in den Bereichen Gastronomie, Zigarrenmanufaktur und Kunstatelier.

„Die Arbeitsbereiche sind so gestaltet, dass jeder seine Fähigkeiten einbringen und weiter entwickeln kann“, erklärte der BWMK-Vorstandsvorsitzende Martin Berg. Die Arbeit werde in Teilschritten organisiert, so dass sich jeder beteiligen könne. Das Arbeitsumfeld im Brockenhaus und weiteren Betrieben des BWMK entspreche weitgehend dem des allgemeinen Arbeitsmarktes, um Menschen möglichst umfassend auf einen möglichen Übergang vorzubereiten. Dennoch nehme der allgemeine Arbeitsmarkt nur wenige Menschen mit Handicap auf. „Oft fehlen die schulischen Voraussetzungen“, erläuterte Berg.

In den Werkstätten des BWMK fänden Menschen, die keine Chancen am allgemeinen Arbeitsmarkt hätten, eine sinnvolle Beschäftigung. Das Gefühl, anerkannt zu sein und etwas zu leisten, gebe wichtige Impulse für die weitere Entwicklung, so die BWMK-Verwaltungsratsvorsitzende Doris Peter. In den Werkstätten gebe es unterschiedliche Anforderungsprofile, so dass Menschen in ihrem eigenen Tempo Neues hinzulernen und weitere Aufgaben übernehmen könnten. Beispiel Reha-Werkstatt Großauheim: Im Scanbetrieb des BWMK bearbeiten Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen täglich rund 160.000 Dokumente. Auftraggeberin ist eine große Bank, die in Großauheim sämtliche Unterlagen aus dem deutschlandweiten Kreditgeschäft digital bearbeiten lässt. Sortieren, scannen, indizieren, online bereitstellen, archivieren – die Bank erhält alle Leistungen aus einer Hand. Unterstützt werden die Werkstatt-Beschäftigten dabei von der Firma Skanilo, einem Tochterunternehmen des BWMK. Vernichtet werden die Dokumente nach der vorgeschriebenen Lagerzeit im Dienstleistungszentrum (DLZ) Langenselbold des BWMK. Ebenso wie im Scanbetrieb Großauheim herrschen in der Aktenvernichtung strenge Sicherheitsvorkehrungen. Täglich werden hier mehrere Tonnen Papier geschreddert und dem Recycling zugeführt. Neu ist eine Maschine, die auch die Festplatten von Computern vernichten kann. „Wir bieten den Kunden auch hier ein individuell zugeschnittenes Leistungspaket – samt Bereitstellen und Abholen der Papiercontainer“, erläuterte Dietmar Ott, Betriebsleiter des DLZ.

Katja Leikert und ihre Begleiter Dieter Hog, Fraktionsvorsitzender der CDU im Hanauer Stadtparlament, sowie Monika Klosson, die Vorsitzende der Frauenunion Hanau, zeigten sich beeindruckt von der anspruchsvollen Arbeit, die von den Werkstatt-Beschäftigten geleistet wird. Es sei Auftrag und Herausforderung zugleich für das BWMK, passende Angebote für Menschen mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf zu entwickeln, so Berg. Ebenso wie andere Träger bewege sich das Sozialunternehmen in einem Spannungsfeld: Einerseits gebe es die Forderung nach Inklusion und damit nach Einbindung aller Menschen in die Gesellschaft, andererseits sei die Gesellschaft nach wie vor auf Leistung und Leistungsträger ausgerichtet. „Was heißt das, wenn wir Inklusion vom Schwächsten her denken?“, fragte Berg. In der Tagesförderstätte (Tafö) der Steinheimer Werkstätten werden rund 60 Menschen mit schweren und Mehrfach-Behinderungen begleitet. Bereits die Raumgestaltung der 2013 modernisierten Tafö macht deutlich, dass Übergänge wichtig sind. Die Tafö-Besucher haben die Möglichkeit, sich frei durch die Räume zu bewegen, die unterschiedlichen Angebote wahrzunehmen und sich daran zu beteiligen. Bewegung, Ernährung und die Förderung von kognitiven Fähigkeiten, Motorik und Sensorik durch Spiel und Beschäftigung sind wichtige Elemente, außerdem sind in der Tafö auch Arbeitsplätze eingerichtet. Per Handmontage werden Bauteile für die Autoindustrie gefertigt. „Jedes fertige Stück ist ein großer Erfolg“, unterstrich Betriebsleiter Jürgen Spielmann. Oft könnten sich die Menschen nur über Laute und Gebärden äußern, doch man merke ihnen die Freude über das Erreichte deutlich an. Katja Leikert äußerte sich anerkennend über die Bandbreite der Angebote und Arbeitsschwerpunkte in den Betrieben des BWMK. Sie werde sich weiterhin intensiv mit dem Thema Inklusion beschäftigen und sich dafür einsetzen, dass Teilhabe an der Gesellschaft für alle möglich sei.