Frauen Union Main-Kinzig lud zu „Politik after work“

7. August 2015

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Cemile Giousouf über Ein- und Zuwanderung und Integration

„Willkommen! Angekommen. Angenommen?“ – Zu einem Diskussionsabend über die Themen Ein- und Zuwanderung und Integration hatte die Frauen Union (FU) Main-Kinzig in das Brockenhaus in Hanau eingeladen. Die Vorsitzende der FU Main-Kinzig, Dr. Katja Leikert, hatte für den Abend im Rahmen der „Politik after work“-Veranstaltungsreihe die Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Cemile Giousouf, als Referentin gewinnen können. 

Die 37-Jährige CDU-Politikerin aus Hagen ist die erste Muslima der Union im Bundestag. Ihre Eltern, Angehörige der türkischen Minderheit in Griechenland, kamen 1960 als klassische Gastarbeiterfamilie nach Deutschland, und so war Giousoufs Vortrag ein Stück weit auch persönliche Lebensgeschichte der Familie.

In den 60er Jahren seien die meisten Gastarbeiter ebenso wie die Bundesregierung davon ausgegangen, dass die Familien irgendwann zurückgehen würden. Dem Erlernen der deutschen Sprache hätte man entsprechend keine große Bedeutung beigemessen, und mit dem Begriff Integration hätte sich damals ohnehin niemand auseinandergesetzt.

Dennoch – wer in Deutschland etwas werden wollte, der hatte hier eine gute Basis. „Sie sehen, selbst als Gastarbeiterkind kann man es in den Bundestag schaffen!“, so Giousouf augenzwinkernd.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks sind aktuell weltweit knapp 60 Millionen Menschen auf der Flucht. 38 Millionen im eigenen Land, knapp 20 Millionen sind Flüchtlinge. Deutschland ist für Schutzsuchende in der EU, was die absoluten Zahlen betrifft, die wichtigste Anlaufstelle: In 2014 gingen hier rund 200.000 Asylanträge ein. Für 2015 müsse man hierzulande mit 450.000 Asylsuchenden rechnen, so Leikert. Bund wie Kommunen stelle das vor eine gewaltige Herausforderung.

Sie sei sehr froh darüber, dass im Main-Kinzig-Kreis fremdenfeindliche Bewegungen im Gefolge von Pegida kaum hätten Fuß fassen können. Besonders in Hanau, das einen Ausländeranteil an der Bevölkerung von rund 22 Prozent aufweist, sei man vertraut mit den „Fremden“, die ja schon längst keine mehr seien. 38 Prozent der deutschen Einwohner in Hanau haben einen Migrationshintergrund. Die Akzeptanz gegenüber Flüchtlingen sei im Kreis durchweg gut. Cemile Giousouf stimmte zu, sie habe das Gefühl, dass in der Bevölkerung generell eine große Hilfsbereitschaft gegenüber den Flüchtlingen aus Kriegsgebieten herrsche. Eine Vielzahl ehrenamtlicher Aktionen wie Sprachkurse und Betreuung von Flüchtlingen zeige dies deutlich.

In den vergangenen zehn Jahren habe es unter Bundeskanzlerin Angela Merkel eine gute Integrationsarbeit gegeben. Dieser gute Weg müsse fortgesetzt werden, so Giousouf.

Die Sprache sei dabei ein entscheidender Punkt. Sprachkurse für Asylbewerber seien Hilfe zur Selbsthilfe und einer der Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration – darin war man sich auch in der abschließenden Diskussion einig. Mit einem besseren Verständnis im Wortsinne könne man dem Entstehen von Parallelgesellschaften vorbeugen.

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