Versorgungslücke bei der Brustkrebsdiagnostik umgehend schließen!

1. Dezember 2016

Gemeinsamer Bundesausschuss muss Tests für gesetzlich Versicherte verfügbar machen

Im beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) laufenden Verfahren um die Erstattungsfähigkeit von Genexpressionstests hat das für eine Expertise beauftragte Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in seinem Abschlussbericht zu Genexpressionstests bei Brustkrebs offenbar keinen Nutzen feststellen können. Der Bericht soll am 5. Dezember vorgestellt werden.

Aus diesem Anlass erklären die Bundestagsabgeordneten Karin Maag und Dr. Katja Leikert:

Das IQWiG stellt sich mit dieser Entscheidung gegen viele namhafte Experten in Deutschland, Europa und der Welt. Die medizinischen Fachgesellschaften, vor allem die behandelnden Ärzte und führende Wissenschaftler halten die Erstattungsfähigkeit dieser Tests nicht nur für gerechtfertigt, sondern für wünschenswert. In den USA und in verschiedenen europäischen Ländern werden sie längst bezahlt. Selbst das strenge britische NICE-Institut, das Medikamente und Diagnosemaßnahmen bewertet, hat bereits 2013 die Genexpressionstests als sinnvoll beurteilt. Erneut verliert damit das IQWiG den Versorgungsalltag aus dem Blick.

Damit die deutschen Patientinnen nicht weiterhin vom medizinischen Fortschritt ausgeschlossen werden, ist jetzt der G-BA am Zug. Die Genexpressionstests müssen für die betroffenen Frauen in der ambulanten Versorgung erstattet werden können. Dass das IQWiG-Gutachten nicht so ausgefallen ist wie erhofft, ist allerdings bedauerlich. Es ist aber nur ein Baustein im Beratungsverfahren zur Methodenbewertung des G-BA. Aus dem Versorgungsalltag, von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten gibt es klare Anhaltspunkte zur medizinischen Notwendigkeit der Tests. Der G-BA muss diese Erkenntnisse jetzt unbedingt berücksichtigen.

Rund 70.000 Frauen erhalten jährlich eine Diagnose über Brustkrebs. Es ist daher allerhöchste Zeit, dass die medizinischen Möglichkeiten in der Brustkrebsdiagnostik endlich in vollem Umfang ausgeschöpft werden, denn damit könnten pro Jahr ca. 15.000 Frauen in Deutschland eine stark belastende Chemotherapie erspart werden. Mit den Tests lässt sich feststellen, wie aggressiv ein Tumor ist. Daraus lassen sich wiederum Rückschlüsse auf die Gefahr einer Neuerkrankung ziehen. Bei geringer Aggressivität kann häufig auf eine Chemotherapie und das damit besonders verbundene Leid und die Schmerzen verzichtet werden.