Kolumne in den Gelnhäuser Nachrichten vom 16. Juli 2022

Die Sommerferien stehen vor der Tür und ausgerechnet jetzt steckt Deutschland im Reisechaos. Ellenlange Schlangen an der Sicherheits-Kontrolle an den Flughäfen, unzählige gestrichene Flüge und zu allem Überfluss noch viele verloren gegangene Gepäckstücke – die Geduld von Flugreisenden wird derzeit auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Aber auch das Reisen mit der Bahn ist oft alles andere als vergnügungssteuerpflichtig: Im Mai waren über ein Drittel der Züge im Fernverkehr verspätet.  Auch in den deutschen Urlaubsregionen, in Hotels und in der Gastronomie mangelt es an Personal. Kurzfristige Besserung ist nicht in Sicht.

Die Bürgerinnen und Bürger merken: An allen Ecken und Enden fehlt es an Arbeits- und Fachkräften. Stand heute sind 1,74 Millionen offene Stellen gemeldet. Besonders betroffen sind bislang Berufe in den Bereichen Gesundheit und Pflege, Soziales und Bildung, Handwerk, IT sowie Metall- und Elektroindustrie. Für die Hälfte aller offenen Stellen in Digitalisierungsberufen gibt es laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft deutschlandweit keine ausreichend qualifizierten Arbeitssuchenden.

Damit Millionen Deutsche in den kommenden Wochen zumindest etwas entspannter in den Urlaub starten können, haben wir als CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag als Akut-Hilfe die Einberufung eines Flugreise-Gipfels gefordert. Darüber hinaus soll bis spätestens September ein langfristig tragfähiges Konzept erarbeitet werden, um künftig einem solchen Chaos an den Flughäfen vorzubeugen. Dabei muss sichergestellt werden, dass bei einer erforderlichen kurzfristigen Anwerbung von Personal aus dem Ausland keine Abstriche bei der luftsicherheitsrechtlichen Zuverlässigkeitsüberprüfung gemacht werden.

Die Arbeitsagenturen und Jobcenter müssen den Unternehmen bei der Einstellung von Arbeitskräften helfen – zum Beispiel durch die Zahlung von Lohnkostenzuschüssen.

Die Ampel-Regierung muss nun endlich Verantwortung übernehmen und den Fachkräftemangel als Ganzes konsequent bekämpfen. So muss die berufliche Aus- und Weiterbildung in Zusammenarbeit mit den Kammern und Berufsverbänden sowohl finanziell als auch im gesellschaftlichen Ansehen attraktiver gestaltet werden. Hierzu können Maßnahmen wie etwa ein „Azubi-Ticket“ für den öffentlichen Personennahverkehr und bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende beitragen.

Zudem setzen wir uns dafür ein, dass Bildungsabschlüsse in allen Bundesländern zuverlässig miteinander vergleichbar werden und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessert wird, etwa durch die Erleichterung des Wiedereinstiegs in den Arbeitsmarkt nach der Elternzeit, eine bessere Kinderbetreuung in der Fläche, die Verbesserung der steuerlichen Absetzbarkeit erwerbsbedingter Kinderbetreuungskosten sowie flexible Arbeitszeitmodelle.

Es braucht jetzt eine gemeinsame Kraftanstrengung, um das Land am Laufen zu halten.

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