Steigende Energiepreise sind für das Bäckerhandwerk zum Teil existenzbedrohend

Seit 87 Jahren versorgt die Bäckerei Kolb die Hanauerinnen und Hanauer mit frischen Backwaren – mittlerweile in der dritten Generation. Gerade erst hat das Familienunternehmen die ärgsten Auswirkungen der Corona-Pandemie gemeistert, nun steht mit Blick auf die explodierenden Energiekosten die nächste Krise ins Haus – deutschlandweit. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert sprach mit Jochen Kolb, zugleich stellvertretender Obermeister der Bäckerinnung Untermain, über die großen Herausforderungen, die auf energieintensive Branchen wie das Bäckerhandwerk warten.

Zwar hat die Bundesregierung mittlerweile ein Entlastungspaket vorgelegt, allerdings sind kleine und mittelständische Unternehmen wie traditionelle Familienbäckereien dabei bislang in vielen Punkten außen vor. Die Kostensteigerungen können nicht in vollem Umfang an die Kunden weitergegeben werden, die angesichts der Preissteigerungen in vielen anderen Lebensbereichen ohnehin bereits reichlich Kaufkraftzurückhaltung an den Tag legen. Anders als zum Beispiel in der Reisebranche sei hier auch nicht mit Nachholeffekten zu rechnen: „Das Brot, das heute nicht gekauft wird, wird nach der Krise nicht doppelt gekauft.“

Nachbesserungen im Energiekostendämpfungsgesetz wurden nach öffentlichem Druck seitens der Ampel-Regierung angekündigt, ein konkreter Referentenentwurf mit verlässlichen Eckpunkten aus dem Haus von Wirtschaftsminister Habeck liege bislang aber noch nicht vor, so Leikert. Bis zur Umsetzung werde darum mutmaßlich weitere wertvolle Zeit ins Land gehen – Zeit, die viele Unternehmen aufgrund von steigenden Materialkosten um teilweise bis zu 80 Prozent, einer zu erwartenden Verdreifachung bis Verzehnfachung des Gaspreises sowie einer Verdoppelung bis Verdreifachung des Strompreises schlicht nicht haben. „Hier stehen vielerorts Existenzen auf dem Spiel“, verdeutlicht Jochen Kolb.

Seitens des Bäckerhandwerks wird ein Rettungsschirm mit schnellen und spürbaren Entlastungen gefordert, zum Beispiel durch eine Deckelung der Energiekosten oder Zuschüsse. Darüber hinaus sollen unideologisch alle Möglichkeiten genutzt werden, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu gewährleisten – dies schließe auch eine Laufzeitverlängerung der noch am Netz verbliebenen Kernkraftwerke mit ein.

Katja Leikert bedankte sich bei Jochen Kolb für die eindringlichen Schilderungen aus erster Hand und versprach, dass die Union im Bundestag weiterhin am Ball bleiben werde, damit hier schnell, zielgenau und möglichst unbürokratisch Hilfen bei den betroffenen Unternehmen ankommen. „Das Bäckerhandwerk ist nicht nur ‚systemrelevant‘ wie es immer heißt, sondern auch ein Stück Kulturgut, das nicht verloren gehen darf.“

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