Klimawandel gefährdet heimische Wälder

Der Klimawandel macht auch vor den heimischen Wäldern nicht Halt. Bei einem Besuch im Maintaler Stadtwald informierte sich die Bundestagsabgeordnete Katja Leikert über die Situation vor Ort. Bürgermeisterin Monika Böttcher, der Leiter des Forstamtes Hanau-Wolfgang, Christian Schaefer, sowie Revierförster Heinrich Koch hießen die CDU-Politikerin willkommen.

Der Maintaler Stadtwald misst 638 Hektar; die Baumartenzusammensetzung entspricht mit Eiche (40 Prozent), Buche (33 Prozent), Kiefer (24 Kiefer) sowie einem geringen Fichten-Anteil in etwa der natürlichen potenziellen Vegetation, also der vom Menschen unbeeinflussten Baumartenverteilung. Was die Altersstruktur der Bäume betrifft, machen sich noch heute die Auswirkungen durch die Orkane „Daria“, „Vivian“ und „Wiebke“ im Jahr 1990 bemerkbar. Die Beförsterung des Areals erfolgt durch den Landesbetrieb HessenForst.

Wie Christian Schaefer und Heinrich Koch berichteten, zählt der Maintaler Stadtwald zu den Waldschadensschwerpunkten im ohnehin schwer betroffenen Rhein-Main-Gebiet. Neben den Vorschädigungen durch Grundwasserabsenkungen und dem teilweise flächigen Ausfall der Esche durch das Eschentriebsterben kämen nun massive Klimaschäden hinzu, die besonders auf Sandböden zur Auflösung von ganzen Waldbeständen führen. Dürre und Hitze lassen die Buche absterben, Pilze setzen dem Edellaubholz wie Ahorn sowie Kiefern und Douglasien zu, die Fichte verschwindet durch den Borkenkäfer vollständig. Die Zerstückelung des Waldes durch den Bau von Verkehrslinien sowie die Ausweisung neuer Bau- und Gewerbegebiete verstärke durch ihre Randwirkungen die klimabedingten Schadensaspekte. Die Folge: Hohe Verkehrssicherungsaufwendungen zulasten des Waldbesitzers.

Um den Wald zu erhalten, werden umfangreiche Pflanzungen durchgeführt. Zusammen mit der Förderung der vorhandenen natürlichen Verjüngung sollen so neue, klimastabilere Waldbestände begründet werden. So wurden allein im besichtigten Waldstück in diesem Frühjahr 3200 Bäume, davon 2000 Eichen und 600 Weißtannen gepflanzt. Weitere Nachpflanzungen werden notwendig sein. Die massive Frühjahrstrockenheit hat schätzungsweise bereits 20 Prozent der gesetzten Pflanzen vertrocknen lassen.

Die klimabedingten Waldschäden treffen die Waldbesitzer schwer. Massiven Verlusten an der Vermögenssubstanz und Einbußen beim Verkauf des geschädigten Holzes auf einem hart umkämpften Holzmarkt stehen hohe Ausgaben für Anlage und Pflege der Neuaufforstungen gegenüber.

Ungebrochen –  und in der Coronakrise noch einmal mehr – ist die Bedeutung der heimischen Wälder als Naherholungsort. Auch dem Naturschutz wird traditionell ein hoher Stellenwert eingeräumt. Der Wald sei eben mehr als eine reine „Holzfabrik“, auch wenn die Nutzung des heimischen Biorohstoffs Holz eine hohe Bedeutung behalte.

Katja Leikert bedankte sich für die spannenden Eindrücke, die noch einmal verdeutlicht hätten, dass der Klimawandel eben kein abstraktes Thema sei, sondern vor Ort ganz konkrete Auswirkungen habe. Besonders freute sie sich, dass mit Karsten Reichelt ein junger Mann, der derzeit ein freiwilliges ökologisches Jahr bei HessenForst absolviert, an dem Termin teilnahm. „Nicht zuletzt die Fridays for Future-Bewegung hat deutlich gemacht, dass die junge Generation den Ernst der Lage schneller als viele andere erkannt hat. Jetzt muss es darum gehen, diese Mammutaufgabe im Miteinander aller Generationen gemeinsam zu lösen.“ Die Aufmerksamkeit, die dem Umwelt- und Klimaschutz in den vergangenen Monaten zuteil geworden sei, dürfe nun aber nicht aufgrund der Corona-Krise wieder aus dem Fokus der öffentlichen Diskussion verschwinden. Daher sei es wichtig, dass Deutschland und die EU den Klimaschutz zu einem Schwerpunkt der kommenden Jahre machen wollen.

Die Forstwirtschaft spiele dabei eine entscheidende Rolle. „Ohne die Wälder werden wir unser Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, nicht erreichen. Als CDU/CSU-Bundestagsfraktion setzen wir uns daher für den Erhalt der Wälder, ihre Wiederaufforstung sowie eine nachhaltige Bewirtschaftung  – auch im internationalen Rahmen – ein. Ökonomie, Ökologie und soziale Aspekte müssen dabei Hand in Hand gehen. Was vielen Menschen nicht klar ist: Wald bindet in hohem Maße und zunehmend Treibhausgase. Dieser aktive Beitrag zum Klimaschutz muss angemessen entlohnt werden“, betonte die Bundestagsabgeordnete. Ganz aktuell stellt die Bundesregierung weitere 700 Millionen Euro für den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder einschließlich der Förderung der Digitalisierung in der Forstwirtschaft und die Unterstützung von Investitionen in moderne Betriebsmaschinen und -geräte bereit. Das hat der Koalitionsausschuss im Rahmen des Konjunkturpaketes beschlossen.

Wie bei der Waldbewirtschaftung brauche es dabei auch in der Politik manchmal einen langen Atem: Schließlich müssen mit den Wäldern, die heute begründet werden, die Menschen leben, die in 120 Jahren erst geboren werden.

 

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